PARLIS - Fluglärmreduzierende Maßnahmen
Vorlage A 144 2017

 

S A C H S T A N D :

Anfrage vom 11.01.2017, A 144


Betreff:

Fluglärmreduzierende Maßnahmen



Der Magistrat beantwortete in der 7. Fragestunde der Stadtverordnetenversammlung am 15.12.2016 die Frage Nr. 364. Gegenstand der Frage war die mögliche Reduzierung der Anzahl von Flugbewegungen auf der NW-Landebahn des Frankfurter Flughafens während des Streiks der Lufthansa. Während der Streikperioden war die Anzahl der Flugbewegungen zeitweise auf etwa 50 Prozent reduziert, wurde jedoch nach wie vor zu einem erheblichen Anteil auf der NW-Landebahn abgewickelt, obwohl eine vermehrte Nutzung anderer Bahnen möglich - und aus Lärmschutzgründen auch geboten - gewesen wäre.

 

Der Magistrat führt in seiner Antwort aus, dass er sich im Forum Flughafen und Region und in der Fluglärmkommission für eine Reduzierung der Fluglärmbelastung einsetze, wobei der Fokus auf solchen Maßnahmen liege, die die gesamte Region entlasten. Und weiter: "Lärmverteilende Maßnahmen, insbesondere wenn sie einseitig zu Mehrbelastungen in bereits hoch betroffenen Kommunen führen, sind nicht zielführend. Eine Verlagerung von Flügen von der Nordwestbahn auf die Südbahn würde zwar den Frankfurter Süden deutlich entlasten, Neu-Isenburg jedoch zusätzlich belasten. Weitere Lärmverschiebungen würden u.a. innerhalb Offenbachs stattfinden. Der Magistrat wird den Lärm nicht von Frankfurt am Main nach Neu-Isenburg verschieben".

 

Mit diesen Ausführungen offenbart der Magistrat seine völlige Unkenntnis in der angesprochenen Frage. Selbstverständlich bedeutet eine andere Verteilung einer gegeben Anzahl von Flugbewegungen keine Lärmreduzierung, sondern eine andere Lärmverteilung. Entscheidend ist dabei jedoch, in welchem Umfang die Wohnbevölkerung bei den einzelnen Szenarien betroffen ist. So führt z.B. ein Anflug aus Osten (BR 25) auf der NW-Landebahn zu einer erheblichen Belastung dicht besiedelter Gebiete (Frankfurt und Offenbach), während ein Anflug über die Center-Bahn überwiegend über dem Wald verläuft und damit zumindest die Wohnbevölkerung nur in geringem Umfang tangiert. Das Forum Flughafen und Region hat diesen Umstand bereits vor etwa 10 Jahren durch die Einführung des Frankfurter Lärmindex (mit Unterstützung des Magistrats !) quantifiziert. Dieser Index ist vom Ansatz her kritisch, bildet jedoch zumindest tendenziell die tatsächliche Lärmbelastung für die Wohnbevölkerung ab.

 

Erste Ergebnisse nach Einführung des Index wurden am 18.06.2016 vom Forum Flughafen und Region in einer Pressekonferenz vorgestellt, wobei vor allem die Lärmbelastung vor der Inbetriebnahme der NW-Landebahn mit der Belastung nach Inbetriebnahme (21.10.2011) verglichen wurde. Hierbei zeigte sich, dass die Belastung der Städte Frankfurt und Offenbach nach Inbetriebnahme der NW-Landebahn deutlich anstieg, während die Belastung in Neu-Isenburg etwas geringer wurde. Insgesamt ist die Belastung von Frankfurt und Offenbach deutlich höher als die von Neu-Isenburg (Abb.). Im Ergebnis bedeutet dies, dass eine temporäre Verlagerung von Flügen von der NW-Landebahn auf die Süd- oder die Center-Bahn zu einer deutlichen Lärmentlastung führen würde, während die zusätzliche Belastung für Neu-Isenburg nur geringfügig wäre. Diese Maßnahme wäre somit unter dem Aspekt der Lärmentlastung besonders hoch belasteter und dicht besiedelter Gebiete geboten gewesen.

 

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Magistrat:

 

1. Sind dem Magistrat die zitierten Ergebnisse des Forums Flughafen und Region bekannt ?

2. Würde der Magistrat die Lärmbelastung der Stadt Neu-Isenburg im Vergleich zu Frankfurt oder Offenbach angesichts der jeweiligen Indexpunkte als besonders hoch bezeichnen ?

3. Ist der Magistrat bei einer gegeben Anzahl von Flugbewegungen tatsächlich grundsätzlich gegen eine Änderung der Bahnbelegung, wenn damit Lärm von einer hoch belasteten und dicht besiedelten Region in eine geringer belastete und/oder dünn besiedelte Region verlagert werden kann ?

 

Abb. (Quelle: Forum Flughafen und Region, Pressekonferenz 18.06.2013)

 

 



Antragsteller:
           AfD

Vertraulichkeit: Nein

dazugehörende Vorlage:
           Frage vom 09.12.2016, F 364
           Bericht des Magistrats vom 17.03.2017, B 98

Versandpaket: 18.01.2017