PARLIS - Berufliche Integration
Vorlage A 155 2017

 

S A C H S T A N D :

Anfrage vom 01.02.2017, A 155


Betreff:

Berufliche Integration



Das KUS berichtete am 25.01.2017 auf der Internetpräsenz der Stadt Frankfurt unter der Überschrift "Erste Ergebnisse bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt" über das gemeinsame Projekt der Stadt Frankfurt mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) "BIFF - Berufliche Integration von Flüchtlingen in Frankfurt", mit dem 38 jungen Flüchtlingen ein "Einstieg in ein Unternehmen" zu ermöglichen. Wie der Hauptgeschäftsführer der IHK hierzu ausführte, sei die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt trotz guter Wirtschaftslage eine gewaltige Aufgabe.

 

In einer Stellungnahme der IHK wird ausgeführt, dass im Rahmen des genannten Programmes 142 Geflüchtete an "Berufecamps" der BIFF-Unternehmen teilnahmen, durch das sie "Anstöße für ihre berufliche Entwicklung erhalten" hätten. Im Anschluss konnten sie gezielt ihre Qualifizierung entweder in Schule, Betrieb oder Studium angehen. Insgesamt gebe es neben dem Spracherwerb bei den Flüchtlingen einen "hohen Qualifizierungsbedarf". Im Laufe des Projekts BIFF sei festzustellen gewesen, dass die meisten Flüchtlinge erst nach zwei bis vier Jahren Aufenthalt in Deutschland so gut Deutsch sprechen, dass sie ausbildungs- beziehungsweise einstellungsreif seien. Tatsächlich lassen sich ausreichende Sprachkenntnisse in deutlich kürzerer Zeit erwerben.

 

Doch auch wenn nach einer bestimmten Zeit hinreichende Sprachkenntnisse vorhanden sind, bleibt bei fast allen das Problem der fehlenden Berufsausbildung. Nach dem Bericht des Magistrats B 300 vom 25.11.2016 ergab eine bei 800 Personen vorgenommen Erhebung, dass 9 % angaben, einen Berufsabschluss im Herkunftsland erworben zu haben. Dies bedeutet, dass in jedem Fall mehr als 90 % keine Berufsausbildung hatten. Auch bei den 9 % ist fraglich, ob die Angaben tatsächlich zutreffend waren. Selbst in den Fällen in denen tatsächlich eine Berufsausbildung abgeschlossen wurde, dürfte diese in keinem Fall dem in Deutschland üblichen Standard entsprechen.

 

Auch das nunmehr vom Magistrat und der IHK als Erfolg bezeichnete Ergebnis ist wenig überzeugend. Die 38 Personen stellen weniger als ein Prozent der der Stadt Frankfurt zugewiesenen Geflüchteten dar - selbst wenn man Personen unter 16 und über 65 Jahre nicht berücksichtigt. Aber auch diese 38 Personen befinden sich - soweit erkennbar - nicht in einem regulären versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis, sondern in einer Art Praktikum, das es den Betreffenden jedenfalls nicht erlaubt, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten.

 

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Magistrat:

 

1. Wie viele "Flüchtlinge" sind derzeit in Frankfurt untergebracht ?

2. Wie viele der unter 1. genannten Personen gehört zur Altersgruppe 16 bis 65 Jahre ?

3. Wie ist die Geschlechtsverteilung der unter 1. genannten Personen (Differenzierung in m und w ist ausreichend) ?

4. Aus welchen Gründen haben nur 142 Geflüchtete an "Berufecamps" der BIFF-Unternehmen teilgenommen ?

5. Aus welchen Gründen haben von den 142 Teilnehmern nur 38 eine Art Tätigkeit oder Praktikum aufgenommen ?

6. Wie viele von den 142 bzw. 38 Personen sind Frauen ?

7. Welche Tätigkeiten führen die genannten 38 Personen konkret durch und welchen Status besitzen sie innerhalb des jeweiligen Betriebes (z.B. Praktikant) ?

8. Wie erklärt sich der Magistrat, dass nach Angaben der IHK bei "Flüchtlingen" ausreichende Deutschkenntnisse erst nach zwei bis vier Jahren vorhanden sind, obwohl dies in deutlich kürzerer Zeit (ein Jahr) möglich ist ?

9. Von welcher Erfolgsquote geht der Magistrat bei dem Programm aus, d.h. welcher Anteil (in Prozent) der Personen mit Bleibeperspektive wird nach Auffassung des Magistrats eine reguläre Berufsausbildung abschließen und in ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis übernommen werden ?

 

 

 

 



Antragsteller:
           AfD

Vertraulichkeit: Nein

Versandpaket: 08.02.2017